32 Jahre ist es her, dass ein Modell von der Evangelischen Kirche in Nieder-Ramstadt angefertigt wurde. Anlass war das 800-jährige Jubiläum Nieder-Ramstadts im Jahre 1994. Das Nieder-Ramstädter Kirchenmitglied Heinz Burkhardt, der Feinmechanikermeister war, hatte mit einigen anderen zu diesem Anlass ein Modell der Ortskirche im Keller des früheren Textilhauses Schneider in der Bahnhofstraße für den Festumzug gebaut. Pfarrer Christoph Mohr und der damalige Kirchenvorstand begrüßten und unterstützten das Projekt. Als es 1994 zum Ortsjubiläum den Festumzug anführte, begleiteten es der Pfarrer im Talar und Mitglieder des Kirchenvorstands in mittelalterlichen Kostümen.
Seitdem führt das Kirchenmodell, das auf einem Anhänger von einem Traktor gezogen wird, den Kerbumzug in Nieder-Ramstadt jeweils am ersten Augustwochenende an. Es betont noch mehr den Ursprung der Kerb, der in der Feier der Kirchweihe liegt. Die Ortskirche wurde 1324 erstmals erwähnt. Viele Jahre hat Martin Schmidt das Modell gefahren, vor zehn Jahren übernahm dies Helmut Fladda, ehrenamtlicher Leiter des Bläserkreises in der Kirchengemeinde. Danach sprangen die Kerweborsch ein und zogen das Modell mit ihrer „Rolle“.
Seit Pfarrer Christoph Mohr im Ruhestand ist, kümmert sich die Stiftung Segensreich der Kirchengemeinde um das Modell und dessen Verwendung bei der Kerb. So sprach Stiftungsvorsitzender André Dillmann Helmut Fladda voriges Jahr an Pfingsten an, ob er sich nicht vorstellen könnte, das Kirchenmodell zu restaurieren. Da überlegte der Pensionär nicht lange und erklärte sich bereit. „Das Modell hat im Laufe der Jahre immer mehr Macken bekommen“, so der frühere Kirchenbeamte in der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Vor allem der Turm sei wackelig gewesen. Die Stiftung Segensreich unterstützte Helmut Fladda während der sieben Wochen, die er für die Restaurierung des Modells benötigte, und dokumentierte diese auch.
Helmut Fladda zerlegte das Modell zunächst behutsam in seinem Garten in Trautheim. Dann baute er eine neue Unterkonstruktion aus Holz und fertigte den Korpus von Kirchenschiff und Turm vollständig neu, aber „ganz eng am Original“, wie Fladda betont. Turm und Schiff verband er mit Holzleim. Chorraum und Sakristei konnte er genauso wie die Dachflächen wiederverwenden. Dann erhielt die Außenfassade einen „komplett neuen Putz“ in der Farbe „hellelfenbein“. Die Fensterlaibung malte Helmut Fladda in der originalgetreuen Farbe der Kirche an. Die Turmspitze aus Metall lackierte er sorgfältig neu. Auch die alten Fenster baute er wieder ein. Die Flächen außen herum versah er mit Kunstrasen.
Nun steht das fertig restaurierte Kirchenmodell in einer Scheune in der Bahnhofstraße und wartet auf seinen ersten Einsatz am Kerbsonntag, 2. August. Dann wird Helmut Fladda das von ihm restaurierte Stück auch wieder selbst fahren, und Mitglieder der Stiftung Segensreich, von Kirchenvorstand und Ortsausschuss sowie weitere Gemeindeglieder werden ihm zu Fuß folgen.
(Rebecca Keller)